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Europäische Wertestudie 2008

Die Europäische Wertestudie ist ein europaweites Forschungsnetzwerk, die „European Values Study“ (EVS). Das Spektrum hat sich von anfänglich 15 europäischen Ländern auf mittlerweile 47 teilnehmende Staaten der EU und angrenzender Regionen erweitert. Vier Erhebungswellen wurden in den Jahren 1982, 1990, 1999 und 2008 durchgeführt. Seit 1990 ist mit Unterstützung des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung ein österreichisches Forschungsteam an der Europäischen Wertestudie beteiligt.

Für die aktuelle Untersuchungswelle wurden zwischen Juli und Oktober 2008 insgesamt 1.500 volljährige Personen aus ganz Österreich per Zufallsstichprobe ausgewählt und von geschulten InterviewerInnen anhand eines standardisierten Fragebogens persönlich über ihre Einstellungen zu den Lebensbereichen Arbeit, Familie, Religion und Politik befragt. Zudem wurden detaillierte soziodemographische Angaben über Alter, Herkunft, Bildung und ähnliches erhoben. Die Daten wurden geprüft, bearbeitet und entsprechend der österreichischen Bevölkerungsverteilung gewichtet, so dass sie einen repräsentativen Ausschnitt der österreichischen Wohnbevölkerung ab 18 Jahren darstellen.

Der Grundstock der verwendeten Fragen ist für alle 47 Teilnehmerländer der Europäischen Wertestudie identisch, in jedem Land wurden diese Fragen ebenso mit dem standardisierten Fragebogen persönlich erhoben. Insgesamt wurden 67.786 Personen aus den folgenden Ländern befragt: Albanien, Armenien, Aserbaidschan, Belgien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Georgien, Griechenland, Großbritannien, Irland, Island, Italien, Kosovo, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Mazedonien, Moldawien, Montenegro, Niederlande, Nordirland, Nord-Zypern, Norwegen, Österreich, Polen,  Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Türkei, Ukraine, Ungarn, Weißrussland, Zypern.

Diese Österreich-spezifischen Daten wurden an das Leibniz Institut für Sozialwissenschaften „GESIS“ nach Köln übermittelt, wo die Daten aller teilnehmenden Länder zusammen liefen. Dort wurden die Daten bereinigt und geprüft sowie anschließend entsprechend der Bevölkerung des jeweiligen Landes repräsentativ gewichtet. Alle Daten wurden daraufhin in einen Datensatz integriert, der den teilnehmenden Forschungsteams zurückgespielt wurde. Daraufhin wertete das Projektteam in Wien die Europadaten nach den Themenschwerpunkten Arbeit, Beziehung/Familie, Religion und Politik aus in Hinblick auf Österreich und auf ausgewählte europäische Länder. Vor allem die Nachbarländer Österreichs standen dabei im Fokus.

Grenzen und Chancen der Wertestudie waren stets Leitlinien des wissenschaftlichen Vorgehens der Studie, denn die Europäische Wertestudie untersucht keine Werte im Sinne moralischer Normen oder Tugenden; sie untersucht auch nicht, ob die Menschen gut handeln oder wie sie ihre ethischen Konzepte entwickeln. Die Wertestudie untersucht vielmehr Einstellungen zu Werten im Sinn von Lebenserfahrungen, die gesellschaftlich als wertvoll gelten. Menschen nehmen zu Werten Stellung, die gesellschaftlich anerkannt sind. Zugleich sind diese Einstellungen auch Ausdruck impliziter Werte, die interpretiert werden können. Die Daten allein sagen also nicht alles über die Wertelandschaft aus, sie sind deutungsbedürftig. Zudem bleiben manche Werte unsichtbar, ebenso deren Begründung – oder die Konsequenzen im tatsächlichen Handeln. Zwischen Einstellungen, deren ethischer Begründung und konkreter Praxis gibt es immer Spannungen und Widersprüche. Menschliches Denken und Handeln ist nicht konsistent. Aber Werte geben dem Handeln Richtung. Die Studie schafft einen Überblick über diese Orientierungspunkte menschlichen Handelns, sie zeigt die Einstellungen der Menschen zu konkreten Werten und ist damit eine Grundlage, um deren implizite Wertvorstellungen analytisch zu erschließen. So ermöglicht die vorliegende Studie nicht nur einen Bild über Einstellungen zu klassischen gesellschaftlichen Werten, sondern lässt auch Entwicklungstendenzen und Zukunftsszenarien erkennen.

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